Danke, Freunde!

Bevor das Jahr 2013 zuende geht, möchte ich mich gerne bedanken. Danke an Euch alle, die Ihr die Entstehung von NEUE HELDEN interessiert verfolgt habt, die Ihr mich unterstützt und ermutigt habt und die Ihr die Platte vielleicht sogar gekauft habt!

Ich kann euch nicht ganz genau sagen, wie diese Reise weitergeht. Ihr habt sicher mitbekommen, dass ich auf mehreren künstlerischen Kanälen unterwegs bin. Das Jahr 2014 wird wohl für mich einen literarischen Schwerpunkt haben, weil ich meinen Roman TimTom Guerilla fertigschreiben möchte. Aber natürlich wird die Musik 2014 auch eine Rolle spielen. Und es ist mehr als wahrscheinlich, dass ich in den kommenden Monaten irgendwann und irgendwo zusammen mit den BLASTING CLOWNS aufkreuze. Und wenn wir dann in Eurer Nähe sind, dann wäre es doch sehr schön, mit Euch gemeinsam einen Abend zu feiern.

Ganz liebe Grüße und ein gesegnetes neues Jahr!

Gofi


So entstand … Kollateralschaden

‘So entstand …’ ist eine neue Rubrik, bei der ihr erfahren könnt, wie es zum Schreiben der einzelnen Songs von NEUE HELDEN kam. Vielleicht hört ihr auf diese Weise die Songs nochmal neu oder ganz anders. Oder ihr bekommt überhaupt erst Lust, euch die Platte zu kaufen. Wer weiß?

In diesem Lied geht es um Idealisten und Weltverbesserer (das ist ganz unironisch gemeint), also um Menschen, die einen großen Teil ihrer Zeit und Kraft darauf verwenden, dass sich Umstände zum Guten wenden. Das können Prediger sein, Journalisten, Politiker, Mitarbeiter bei NGOs, Missionare, Pfarrer, Ärzte usw.

Diese Leute werden, oft zu Recht, von vielen bewundert, weil sie viel Gutes bewirken und vieles in Bewegung setzen. Was weniger bemerkt wird, ist, dass sie manchmal in ihrer unmittelbaren Umgebung, also in den Beziehungen zu den Menschen, die ihnen am nächsten stehen, beträchtliche Flurschäden anrichten: Ehe gehen kaputt, Kinder wenden sich enttäuscht ab, Mitarbeiter brennen aus und erleiden seelische Schäden. Denn während die Aktiven die Welt zu retten versuchen, haben sie leider kaum Zeit für die wirklich wichtigen Beziehungen in ihrem Leben.

Manchmal werden diese Flurschäden entdeckt, sowohl von den Aktiven wie von den Bewunderern. Und dann geschieht das eigentlich Erstaunliche oder eher Verstörende – diese Schäden werden schulterzuckend hingenommen. Man sagt dann, wo gehobelt wird, da fallen eben Späne, oder kein Gewinn ohne Investition, oder No Pain No Gain oder etwas ähnlich Dämliches. In der zynischen Sprache der Militärs würde man das als Kollateralschäden bezeichnen.

Das Lied wird also aus der Perspektive eines Geschädigten gesungen, eines ‚Kollateralschadens‘.


So entstand … Jan Josef Liefers

‘So entstand …’ ist eine neue Rubrik, bei der ihr erfahren könnt, wie es zum Schreiben der einzelnen Songs von NEUE HELDEN kam. Vielleicht hört ihr auf diese Weise die Songs nochmal neu oder ganz anders. Oder ihr bekommt überhaupt erst Lust, euch die Platte zu kaufen. Wer weiß?

Ich mag Jan Josef Liefers! Ich finde ihn als Schauspieler wirklich toll. Aber als ich einmal im Zug auf dem Weg zu einer Lesung saß, da starrte er mich von dem Deckblatt des DB-Magazins an. Und irgendwann konnte ich es nicht mehr ertragen und drehte ihn um. So kam es zur ersten Strophe.

Gut möglich, dass ich den ganzen Song auf dieser Fahrt geschrieben habe. Ich weiß es nicht mehr so genau. Aber Zugfahrten sind wie fürs Liederschreiben gemacht. Ich entspanne mich meistens dabei, lasse die Landschaft vorbeigleiten und meine Gedanken schweifen.Die Voraussetzung dafür, dass das klappt, ist, dass ich keinen Stress empfinde und auch sonst nichts dabei habe, was mich ablenkt, wie zB ein Buch, einen Film oÄ.

Fast immer werden die Worte, die mir einfallen, von einer Melodie begleitet. Oder es ist umgekehrt, eine Melodie evoziert Worte. Dabei ist es wichtig, dass ich nicht verkrampfe, nicht auf Anhieb einen perfekten Text schreiben will oder, noch schlimmer, eine bewusste Aussage machen will. Dann geht die Leichtigkeit verloren, und alles wirkt unheimlich bemüht. Ich werde mir später Zeit nehmen, am Text und auch an der Melodie zu feilen. Das ist fast immer nötig. In den seltensten Fällen schreibe ich einen Text und bin auch Wochen später noch mit ihm zufrieden. Beim ersten Aufschreiben geht es also nicht um Perfektion, sondern es geht darum, die Richtung festzulegen, Thema und Bildsprache zu definieren, immer mit dem Gedanken, dass sich alles noch ändern kann.

Mit der Melodie ist es ähnlich. Damals im Zug hauchte ich sie so leise ich konnte in mein Aufnahmegerät, weil es mir peinlich ist, wenn andere Fahrgäste mich dabei belauschen. So, wie sie damals war, ist sie aber nicht geblieben. In den folgenden Tagen und Wochen summte und sang ich die Melodie vor mich hin. So mache ich das immer. Auf diese Weise verändert sie sich, sie wird glattgeschliffen, griffiger und plausibler. Irgendwann summt, singt und pfeift meine ganze Familie die Melodie, an der ich gerade arbeite, weil sie mein Gesumme und Gepfeife zwangsläufig belauschen. Wenn das passiert, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass eine Melodie bald fertig ist.

Der Text erzählt übrigens einfach nur eine unglückliche Liebesgeschichte. Sie ist nicht autobiographisch. Es ist einfach nur eine Geschichte.


So entstand … Ich bin ganz hier

‘So entstand …’ ist eine neue Rubrik, bei dir erfahren könnt, wie es zum Schreiben der einzelnen Songs von NEUE HELDEN kam. Vielleicht hört ihr auf diese Weise die Songs nochmal neu oder ganz anders. Oder ihr bekommt überhaupt erst Lust, euch die Platte zu kaufen. Wer weiß?

Dieses Lied ist ein wenig älter als die anderen. Ursprünglich hatte ich ihn für mein Punk- und momentanes Roman-Projekt TimTom Guerilla geschrieben. Aber die Musiker der Band (die heutigen BLASTING CLOWNS) monierten, dass das kein Punk-Song sei. Womit sie völlig Recht hatten.

Als ich den Song schrieb, wohnten wir noch nicht allzu lange in unserem Haus, das direkt am Waldrand liegt. Ich empfinde es immer noch als wahsinnig wohltuend, durch den Wald zu gehen. Aber damals hatte es zusätzlich noch etwas Magisches, ganz und gar Unalltägliches. Ich hatte vorher nie am Wald gewohnt, Wälder waren bis dahin immer nur per Auto oder Fahrrad zu erreichen. Jetzt den Wald quasi als überdimensionalen Vorgarten zu erleben, war sehr besonders. So kam es zur ersten Strophe.

Das Thema des Liedes ist allerdings dann eben doch das Alltägliche, oder besser: das Besondere im Alltäglichen. Das Nachdenken darüber begleitete mich damals schon sehr stark. Der Text spürt den normalen Dingen nach – ein Spaziergang im Wald, ein Glas Wein und eine Zigarette, der Moment, in dem man neben einem geliebten Menschen liegt – und entdeckt, dass es göttliche Geschenke, göttliche Momente sind. Es bleibt offen, ob es sich hier um ein Gebet oder um ein Liebeslied handelt. Diese Zweideutigkeit gefällt mir, denn so ist es doch fast immer: Den ganz eindeutigen Moment, das ganz eindeutige Gefühl gibt es fast nie. Fast alles ist ein Sowohl-Als-auch.


So entstand … Lieblingskinder Gottes

‘So entstand …’ ist eine neue Rubrik, bei dir erfahren könnt, wie es zum Schreiben der einzelnen Songs von NEUE HELDEN kam. Vielleicht hört ihr auf diese Weise die Songs nochmal neu oder ganz anders. Oder ihr bekommt überhaupt erst Lust, euch die Platte zu kaufen. Wer weiß?

Die triolische Figur, die Benny auf dem Keyboard spielt, gab es schon eine ganze Weile, bevor der Song entstand. Ich hatte sie irgendwann einmal auf meinen mp3-Rekorder gesungen und zeitweise sogar versucht, sie auf der Posaune zu spielen (was ich ganz schön schwer fand). Als Lieblingskinder Gottes entstand, war der Schreibprozess für das Album schon recht weit fortgeschritten. Aber es fehlten noch Lieder. Ich machte mich also daran, zunächst einmal die Musik zu programmieren. Das ist für meine Art, Lieder zu schreiben, ungewöhnlich, normalerweise beginne ich mit einem Text und einer Melodie. Ich ließ die Figur also von einem Keyboard spielen, legte einen Beat darunter und erkannte ehrlich gesagt erst jetzt, wie sehr das Ding groovt. Übrigens ist Lieblingskinder der einzige Song des Albums, bei dem ich bewusst in Strophe und Refrain jeweils eine andere Tonart verwende.

Im Text geht es um die kleinen Leute, um diejenigen, die in einer Leistungsgesellschaft wie unserer kaum Anerkennung erfahren und eher als Ballast wahrgenommen werden. Natürlich habe ich ihn auch aus meiner Perspektive als Vater zweier behinderter Söhne geschrieben. Anders als in den anderen Liedern, in denen ich versucht habe, sehr geerdet und alltagsnah zu texten, ging es mir in diesem Lied darum, Szenen zu beschreiben, die etwas Traumartiges, Anderweltliches haben. In dem Video zum Song habe ich versucht, diese Atmosphäre bildlich darzustellen. Das war mir deshalb wichtig, weil ich als Christ daran glaube, dass Menschen wie zB meine Söhne in den Augen Gottes tatsächlich einen ganz anderen Stellenwert haben, als man das aus menschlicher Perspektive denken könnte, und weil das so ist, haben sie, so denke ich, auch ganz objektiv für unsere Gesellschaft eine sehr viel höhere Relevanz, als selbst wir, die wir ihnen nahestehen, das überhaupt vermuten würden. Ich spreche nicht von subjektiv empfundener Bedeutung, sozusagen aus moralischer Verantwortung heraus. Ich meine OBJEKTIVE gesellschaftliche Relevanz, die faktisch da ist, ob sie nun wahrgenommen wird oder nicht. Eine Gesellschaft ohne diese angeblich kleinen Leute ist eine arme Gesellschaft. Das ist eine Realität, die so nur sehr selten wahrgenommen wird, und wenn das doch mal geschieht, dann ist das fast ein Schock, weil sich diese neue Sicht völlig von den gängigen Normen und Maßstäben löst, so als würde man in eine andere Dimension der Wirklichkeit blicken, die einem bisher verborgen war. Und so ungefähr ist das ja auch tatsächlich. Daher also dieser etwas mystisch-surreale Ansatz des Textes.

Erst viel später wurde mir übrigens klar, dass mein Text quasi ein Echo der sogenannten ‚Seligpreisungen‘ von Jesus ist aus dem Matthäus-Evangelium. Mit denen habe ich mich eine Zeit lang intensiv beschäftigt. Während des Schreibens ist dieses Thema plötzlich da gewesen, mir war das aber nicht bewusst, das habe ich erst hinterher verstanden. Das passiert mir durchaus öfter, dass das Schreiben eher intuitiv passiert und dass mir erst im Nachhinein auffällt, dass ich Themen aufgegriffen habe, über die ich vorher längere Zeit nachgedacht hatte.


So entstand … Auf jeden Fall

‚So entstand …‘ ist eine neue Rubrik, bei dir erfahren könnt, wie es zum Schreiben der einzelnen Songs von NEUE HELDEN kam. Vielleicht hört ihr auf diese Weise die Songs nochmal neu oder ganz anders. Oder ihr bekommt überhaupt erst Lust, euch die Platte zu kaufen. Wer weiß?

Die Melodie des Refrains, die ja eher ein sogenanntes Lick ist, also eine kurze griffige Melodie-Phrase, fiel mir ein, als ich gerade den Frühstückstisch abräumte. Unser Esstisch steht im Wohnzimmer. Und um die Küche zu erreichen, muss man schon ein paar Schritte mehr laufen als in anderen Haushalten. Die Distanz ist groß genug, um einen gewissen Geh-Rhythmus zu entwickeln. Gerade hatte ich über irgend etwas Banales nachgedacht, eine Besorgung, die ich machen musste, etwas, das ich meinen Söhnen sagen musste oder etwas anderes, ich weiß es nicht mehr. Und während ich das tat, redete ich mit mir selbst, was ich oft tue, und sagte ‚Auf jeden Fall‘. Und dann fing ich unwillkürlich an zu singen Auf jeden, auf jeden, auf jeden Fall! Und damit war die Melodie da. Wenn mir solche Melodie-Versatzstücke einfallen, dann nehme ich sie schnell mit einem mp3-Rekorder auf, um sie nicht zu vergessen. Von hier aus war es dann leicht, die Melodie der Strophen weiterzuentwickeln, weil Rhythmus und Feeling von vorneherein durch den Refrain feststanden.

Was den Text angeht, ging es von vorneherein darum, keine Aussage zu machen. Ich wiederhole: Dieser Text hat keine Aussage. Auch keine versteckte. Ich habe das beim Texten als sehr wohltuend empfunden. Immerhin habe ich in einem früheren Leben elf Jahre lang auf Bühnen gestanden und versucht, möglichst sinnvolle und nachvollziehbare Dinge zu sagen. Das ist sehr anstrengend. Und es kann auch sehr auf die Nerven gehen. Bei mir war das manchmal so. Ich bin davon überzeugt, dass die Musik des Liedes Aussage genug ist. Also, wenn man denn schon eine Aussage braucht, um sich wohl zu fühlen, dann ist sie in diesem Fall sub- oder präverbal. Wenn es so was gibt.


Interview bei Radio hna in Kassel

Gestern Abend war ich zum Interview bei Radio hna in Kassel und habe mit Moderator Christian Sänger über NEUE HELDEN gesprochen. Christian war ein sehr cooler Gastgeber und hatte sichtlich Spaß am Gespräch und an der Musik. Die Sendung wird sehr wahrscheinlich am Mittwoch, den 11. Dezember, gestreamt.